Storch & Wein: Warum der Weinbau in Rust den Wappenvogel schützt

Rust ohne Störche wäre wie Wein ohne Trauben. Doch dass heute wieder über 30 Brutpaare auf den Dächern der Freistadt thronen, ist kein Zufall – es ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung der Ruster Winzer für eine naturnahe Bewirtschaftung.


Willkommene Gäste: Die Störche suchen in unseren Weingärten nach natürlicher Nahrung – ein Zeichen für ein intaktes Ökosystem.


Die Rückkehr des Symbols

Es gab eine Zeit, kurz vor dem Weinskandal Mitte der 1980er Jahre, da war es still auf den Schornsteinen von Rust. Nur noch 3 bis 4 Brutpaare wurden gezählt – der Storch drohte aus der Stadt zu verschwinden. Doch der Storchenverein und wir Winzer haben gemeinsam gegengesteuert. Durch die gezielte Anlage von Biotopen und die Wiederherstellung natürlicher Futterflächen haben wir die Grundlage für die Rückkehr der Tiere geschaffen.


Eine Feuchtwiese in Rust mit 
einige Wasservögeln.
Biotope wie die Feuchtwiese Nahe der Storchenstation „Storchenwiese“ – bei der Beweidung und Überschwemmungszonen Nahrung und Lebensraum bieten waren maßgeblich für die Erholung der Storchenpopulation

Schafe auf einer Feuchtwiese
Schafe beweiden die Feuchtwiesen und sorgen so für Diversität und beugen der Verbuschung und Verschilfung vor.

Verwirrung statt Gift: Pioniere im Insektizidverzicht

Ein entscheidender Faktor für das Überleben der Jungstörche ist das Nahrungsangebot. Rust war die erste Region, die flächendeckend auf herkömmliche Insektizide verzichtet hat, um den Traubenwickler zu bekämpfen. Stattdessen setzen wir auf die Pheromonverwirrung.


Pheromon-Dispenser verhindern die Vermehrung von Schädlingen, ohne die Insektenwelt zu schädigen, die den Störchen als Nahrung dient.

Durch diesen Verzicht bleibt das ökologische Gleichgewicht erhalten. In unseren Rieden kreucht und fleucht es und genau das lockt die Störche an, die heute wieder scharenweise in den Zeilen nach Futter suchen.


Blick in einen Weingarten um die Zeit des Austriebs, auch die bunte Begrünung wächst und gedeiht.
Lebendiger Boden: Dauerbegrünung schützt vor Erosion und bietet Lebensraum für eine enorme Artenvielfalt.

Begrünungsmanagement: Der Boden als Fundament

Nachhaltigkeit endet nicht beim Verzicht auf Gift. Ein zentraler Punkt unserer Arbeit ist der Erosionsschutz. Wir bemühen uns, die Weingärten so wenig wie möglich umzubrechen. Eine dauerhafte, artenreiche Begrünung zwischen den Zeilen festigt nicht nur den Boden und speichert Wasser, sondern fördert auch die Biodiversität. Ein lebendiger Boden ist die Basis für gesunde Reben und ein reich gedeckter Tisch für unsere gefiederten Nachbarn.


Fünf Jungstörche in einem Nest in Rust.
Bis zu fünf Jungstörche findet man in Rust in manchen Nestern.

Der Erhalt dieser faszinierenden Vögel ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir Winzer tragen unseren Teil durch naturnahe Bewirtschaftung bei, doch auch Sie können einen wertvollen Beitrag leisten. Der Storchenverein Rust setzt sich unermüdlich für den Schutz der Nester, die Pflege verletzter Tiere und die Instandhaltung der Biotope ein.

Unterstützen wir gemeinsam das Wahrzeichen unserer Stadt!