In den Ruster Lagen steckt nicht nur eine lange Geschichte – nachweislich wird in Rust nämlich schon seit mehr als 500 Jahren Wein angebaut – in den Böden steckt auch eine einzigartige Vielfalt an Gesteinsarten.
Der Ruster Schotter – die ältesten Weinlagen Rusts
Auf dem Ruster Schotter – bestehend aus Quarz und Gneis – findet man die ältesten Weinlagen, die schon in der Riedenkarte von 1783 gut dokumentiert wurden. Die Lagen sind durchwegs von einem leichten Ostgefälle geprägt und von alten Resten von Steinmauern durchzogen, welche die einzelnen Rieden voneinander abgrenzen. In den Lagen Satz, Vogelsang, Plachen, Ludmaisch und Geyer wächst der Großteil unserer Weißweine. Die Böden weisen – je nach Lage – wechselnde Lehm- und Sandanteile auf, welche in Abhängigkeit vom Jahrgang eine gute Basis für fruchtige Weine auf diesen kargen Untergesteinen bilden.

Die Lagen westlich und südlich sind durchwegs von Schotter und kristallinem Gestein geprägt.
Herausragende Qualitäten erhalten wir hier besonders aus der Ried Geyer, die zu den steileren Lagen zählt und durch ihren Anteil an Urgestein ideale Bedingungen für unseren balancierten Sauvignon Blanc bietet.
Diese eher „warmen“ Böden erstrecken sich von der Bundesstraße in Richtung St. Margarethen bis südlich zur Hottergrenze nach Mörbisch.
Leithakalk: Muschelkalk oder doch Rhodolith?
In nördlicher Richtung findet man hingegen Lagen, die vom Leithakalk geprägt sind, wobei anzumerken ist, dass hier der Großteil des Kalks nicht aus Muscheln (Muschelkalk), sondern aus Rhodolith besteht. Nur vereinzelt finden wir zwischen den Reben Fossilien von Muscheln, während Algen und Schwämme allgegenwärtig sind. Während auf den warmen Schotterböden die karge Mineralität für Balance sorgt, ist es hier der hohe Kalkanteil, der prägend wirkt. Dieser führt zu einem hohen pH-Wert im Boden und ermöglicht eine langsamere Reife der Trauben, höhere Säurewerte und außergewöhnlich langlebige Weine. Hier wachsen zum Großteil unsere Grauburgunder, Chardonnay, Merlot und Blaufränkisch in den Rieden Bandkräften, Umriss und Kleiner Wald.
Ein historischer Wendepunkt: Wie die Reblaus den Ruster Weinbau nachhaltig prägte
Es klingt paradox, doch die größte Katastrophe des europäischen Weinbaus – die Einschleppung der Reblaus im 19. Jahrhundert – legte den Grundstein für den Erfolg unserer heutigen Kalklagen. Während Frankreichs Weinberge brachlagen, stieg der Bedarf an Qualitätsweinen sprunghaft an. In Rust erkannte man das Potenzial der kalkreichen Rieden, doch deren Bewirtschaftung war technisch erst möglich, als die Wissenschaft kalkresistente und zugleich reblausresistente Unterlagsreben entwickelte. Diese Veredelungstechnik erlaubte es uns erst, die mineralische Tiefe des Bodens dauerhaft in die Flasche zu bringen.

Hier dominieren charakterstarke Kalkböden
Was den Ruster Ausbruch betrifft, so sind grundsätzlich alle Lagen für diese Ausbauart prädestiniert. Die warme Witterung in der Zeit nach der Haupternte, kombiniert mit regelmäßigem Nebel, sind genau die richtigen Zutaten für diesen einzigartigen Süßwein.
Was bedeutet überhaupt „Ried“ ?
Der Begriff ‚Ried‘ kennzeichnet in Österreich eine gesetzlich abgegrenzte Einzellage. Wein mit dieser Bezeichnung auf dem Etikett stammt zu 100 % aus der genannten Lage, was höchste Herkunftsqualität und Terroir-Ausdruck garantiert. ABER: Bei uns muss nicht immer die Lage oder die reine Sorte den Ton angeben, mehr dazu in unserem Artikel über unsere Neudefinition des Herkunftsbegriffs.
